ARTISTS

Attila Szűcs
*1967 Miskolc (H). Lives & works in Budapest

available works

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Leo is sitting in an armchair, 2011, 190x240cm, oil on canvas

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Waterfall,2008, 140x100cm, oil on canvas

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Figure is Stepping into a Red Vertical, 2010, 190x140cm, oil o.canvas

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Physicist, 2010, oil on canvas, 190x140cm

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Standing Figure in a Blindspot, 2008-9, 80x80cm, oil on canvas

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Untitled, 2012, drawing, 98x148cm, framed


works in private or public collections

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Preparing for Darkness, 2015, oil on canvas, 190x140cm
SELECTED ARTISTS Collection, Berlin

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The Observer, 2014, oil on canvas, 140x190cm, private collection, Bremen

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The Red Room, 2015, oil on canvas, 200x240cm, Robert Runtak Collection

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Glorious, 2010, oil on canvas, 140×190cm, SELECTED ARTISTS Collection, Berlin

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Inside Out Space, 2014, oil/canvas, 240x190cm, Hungarian National Gallery

DIE KONSTANZ DER DINGE

Wie in einer Versuchsanordnung und Rekonstruktion eines im Unbewussten schlummernden Ereignisses befindlich stehen wir gebannt und sonderbar entspannt vor den Bildwelten des ungarischen Malers Attila Szűcs. Die Klarheit des Motivs überwiegt und verschmilzt mit einer meist nur angedeuteten, nahezu entleerten Räumlichkeit. Dementsprechend treten Szűcs` Protagonisten fast immateriell in der Bildfläche auf. Der Fokus gilt also voll und ganz der figürlichen Darstellung in seiner silhouettenreichen Präsenz. Aus einem ortlosen, oft dunklen und monochromen Hintergrund erhebt sich ein Motiv, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Als würden sie von einem unsichtbaren Spot ins Zentrum des Interesses gerückt verwachsen Figur und Interieur auf der malerischen Ebene miteinander, vermählen sich in der Umscheinung des Lichts. Wie die Reste einer verborgenen Welt treten sie uns entgegen.

Die Außenwelt als totale Vergleichsinstanz des Bildes ist zugunsten dieser konzentrierten Zwischenwelt reduziert und alles Weltliche scheint ins Verborgene verlagert zu sein. Die Leere des Raumes und die sympathische Unaufgeregtheit und Stille der Figuren verweisen auf eine symbolische Wertigkeit des Zusehenden - vergleichbar mit einem tiefenpsychologisch bewahrten Ereignis. Wie ein Emblem der Psyche pendelt das Bild in eine äußere Realität hinein, um sogleich auf eine geheimnisvoll erstarrte Sphäre des verborgenen zu verweisen. Diese Welt im Zwischenstadium aus vergangenen, verdrängten, vergessenen und suggerierten Bildern strebt ganz leise nach Relevanz. Die Selbstbeschäftigung des Motivs findet eine wunderbare Entsprechung in der malerischen Ausgeglichenheit und farblichen Durchdringung, die imstande ist, die wie eingefroren wirkenden Figuren innerhalb des Bildes zum Leben zu erwecken. Mit dieser Perspektive auf die Szűcs'sche Welt ausgestattet, mündet die Zeit nun in eine Synchronizität von bewussten und latenten Zuständen. Die auf der symbolischen Ebene des Motivs und auf der Projektion des Betrachters basierende Bildbetrachtung kehren die sich gegenseitig bedingenden Vorgänge (im Unbewussten und der von Latenz getragenen Wahrnehmung) hervor. Szűcs verschweißt beide Welten miteinander und lässt sie im subtilen malerischen Fluss zu einer werden. Seine schimmernden Figuren demonstrieren diesen Balanceakt im Ausdruck eines nach innen gekehrten, intuitiven Gemüts. Die Verquickung der vielen malerischen Schichten setzt also eine Eigendynamik frei und ist dadurch imstande, Vorgänge im An- und Abwesenden als meditativen Bildraum zu visualisieren.

Die Dichte der malerischen Atmosphäre verstärkt dabei die Einsicht, dass beide Welten ohnehin nicht zu trennen sind. Szűcs verlässt die üblichen narrativen raum-zeitlichen Koordinaten zugunsten einer Bilderzählung, die ihre Potenz aus der Suggestion gewinnt. Die Leichtigkeit seiner Figuren, ihre Beharrlichkeit, Selbstreflexivität und räumliche Kontinuität verfestigen die Selbstverständlichkeit, dass die wahrzunehmende Welt nur ein flüchtiger Moment ist, dessen Zusammenhänge und Konstanz nicht zu verstehen sind ohne die Besinnung auf die Einflüsse aus zeitgleichen unbewussten Reaktionen. Die Präsenz der Figur im leeren oder unbestimmten Raum dagegen stützt die Einsicht, dass unser Sehen stets eine fragile Melange aus zwei Welten ist. Im artifiziellen Ergebnis der Malerei von Attila Szűcs konkretisiert sich dessen symbolischer Gehalt. Nur hier verschmilzt sie zu einer und die Konstanz der Dinge in und um uns kann aufrechterhalten bleiben, weil die eigentlichen, im Verborgenen lauernden Leitmotive unseres Handelns zum Leben erweckt sind.

Uwe Goldenstein

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Zebra with Roses, 2012, oil on canvas, 100x150cm, private collection

sothebys,2015,S2,szucs
Attila Szuecs at Sotheby`s, S2, London
exhibition "The Nude in The XX & XI Century", curated by Jane Neal (2015)